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Naturvielfalt im Siedlungsraum

Naturvielfalt im Siedlungsraum

Blühende Wiesen statt Einheitsrasen, heimische Bäume und Sträucher als Nahrungs- und Bruträume für unsere Tierwelt, ein Teich als Naturoase. Naturnah gestaltete Siedlungsräume sind nicht nur Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, sondern bieten einen vielfachen Mehrwert für Mensch, Wirtschaft und Natur. Urbanes Grün hat viele Funktionen: Grünräume sind Orte der Begegnung, des sozialen Zusammenhalts, fungieren als Frischluftschneisen, Lärmdämpfer und unterstützen die Luftreinhaltung sowie die Temperaturregulierung.
Bildrechte: Regina Bertsch
Wolliger Schneeball mit Honigbiene
Bildrechte: Stephan Brenneisen
Altholz-Lebensraum auf extensiv begrünten Dächern der Europa-Allee Zürich
Bildrechte: Stephan Brenneisen
Biodiversitätsdach
Bildrechte: Stephan Brenneisen
Extensive Dachbegrünung
Bildrechte: Katrin Löning
Straßenbegleitgrün

Naturvielfalt in der Gemeinde (NIG) 2008-2018

Überraschende, lustige, nachdenklich stimmende, kleine und große, weiter zurückliegende und erst vergangene Projektgeschichten erzählen von 10 Jahren „Naturvielfalt in der Gemeinde“. Bereits 2008 startete die Kampagne unter dem Namen „Natur(-schutz) in der Gemeinde“. Begonnen hat alles mit einer Umfrage anhand von welcher klar wurde, dass es einen großen Bedarf an Weiterbildungen zu den Themen Grünflächenpflege und naturnahe Siedlungsentwicklung gibt. Im Folgejahr wurde das Konzept der Nahaufnahmen entwickelt. Diese Nahaufnahmen-Broschüren sind Sammelwerke von umgesetzten Ideen unterschiedlicher Gemeinden und sollen als Austausch und Inspiration zum naturnahen Gestalten dienen.

Ein weiterer wichtiger Meilenstein war der Workshop „Es geht auch ohne Herbizide“ gemeinsam mit der Abt. Landwirtschaft, welcher als Grundstein für das 2013 erteilte Verbot von Totalherbiziden auf landeseigenen Flächen gesehen werden kann. Dem Beispiel folgten viele Gemeinden. Noch 2010 wurde das veraltete Vorarlberger Biotopinventar aktualisiert. Seit dem Jahr 2011 werden landesweit jährlich rund 30 Biotopexkursionen zu den Naturjuwelen der einzelnen Gemeinden und Regionen veranstaltet.

Im Rahmen der Projekte „...in Zukunft bunt & artenreich“ und „natürlich bunt & artenreich“, an denen sich 30 Vorarlberger und Liechtensteiner Gemeinden beteiligt haben, wurden viele Maßnahmen zur naturnahen Begrünung von Siedlungsgebieten umgesetzt. Auch das Bewusstsein für Naturspielräume wurden im Rahmen des Spielraumkonzeptes in Zusammenarbeit mit Kindern und anhand von Exkursionen, Vorträgen und guten Beispielen geschaffen.

Ein weiteres wichtiges Thema waren Bäume im urbanen Raum. Als Beherbergende unzähliger Mikrohabitate oder auch als Trittstein sind vor allem die alten Bäume aus unserer Siedlungs- und Kulturlandschaft nicht wegzudenken. Auch das Thema Dachbegrünungen im Siedlungsgebiet fand 2015 das erste Mal großen Anklang. Biodiversitätsdächer sind bedeutende Elemente, wenn es um den Wasserrückhalt, den Hitzeschutz und um das Erschaffen von Ersatzlebensräumen für Flora und Fauna geht. Naturvielfalt in der Gemeinde hat mit unkomplizierten Praxisbeispielen Mut zu mehr Naturvielfalt auf dem Dach gemacht.

Gemeinsam mit der katholischen Kirche startete 2016 die Initiative „natur.oase.friedhof“, um Bewusstsein für das Lebendige auf dem Friedhof und eine naturfreundliche Bepflanzung von Friedhöfen zu schaffen.

Zusätzlich war die 10-Jahre-Naturvielfalt-Erfolgsgeschichte auch von zahlreichen Erfahrungsaustauschtreffen geprägt. Zum krönenden Abschluss fand 2018 das große 10-Jahre-Naturvielfalt-Fest zum Dank an alle Beteiligten und 34 teilnehmenden Vorarlberger Gemeinden für ihr großes Engagement statt.

  

Broschüren

Nahaufnahmen 4 (2014-16) (PDF, 9092 KB)

Nahaufnahmen 3 (2012/13) (PDF, 1622 KB)

Naturoase Friedhof (PDF, 1256 KB)

NIG-Handbuch für Gemeinden und Naturvielfalt-Teams (PDF, 2214 KB)

  

  

Natürlich bunt & artenreich

Das Projekt „natürlich bunt & artenreich“ (2016-2018) war Teil des Interreg-Projektes „Blühendes Bodenseeland“ und vereinte 26 Gemeinden aus Vorarlberg und Liechtenstein zum gemeinsamen Nachdenken und Umsetzen von Blühflächen in der Gemeinde. Nachdem im Juni 2015 der Abschluss des Vorgängerprojektes „…in Zukunft bunt und artenreich“ (2013-2015) gefeiert wurde, wurde zugleich der Grundstein für dieses grenzüberschreitende Folgeprojekt gelegt.

Doch was heißt eigentlich naturnah? Naturnahe Gestaltung öffentlicher Freiräume heißt sich an der Natur ein Vorbild nehmen, heißt mehr Naturerlebnis im Ort, mehr Wohlbefinden für die Menschen, mehr Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten und heißt auf Dauer weniger Arbeit.

Blütenbesuchende Insekten wie Hummeln, (Wild-)Bienen und Schmetterlinge haben eine zentrale Funktion in unseren Ökosystemen. Auf ihre Bestäubung sind 80 % der Blütenpflanzen und Feldfrüchte angewiesen.

Um solche naturnahe Flächen fachgerecht anzulegen, zu pflegen und darüber hinaus neue Inspirationen zu sammeln, wurden sechs Workshops und mehrere gemeinsame Pflegeeinsätze veranstaltet. Zusätzlich lag ein besonderer Schwerpunkt in der Mahdgutübertragung sowie der Pflege und Aufwertung von bestehenden Flächen.

Ziel dieses Projekts war die Schaffung von strukturreichen, mit heimischen Wildpflanzen bestückten, naturnahen Straßenbegleitflächen oder innerörtlichen Blumenwiesen, welche erst nach der Blüte gemäht und nicht gedüngt werden. Diese Flächen, auch wenn sie klein sind, sind ein Beitrag zu einem Netz an Lebensräumen, das sich durch die Siedlungen und darüber hinaus zieht und den Kleintieren Nahrung und Nistplätze liefert. Weiters gilt es, heimische Sträucher und Feldgehölze zu pflegen und zu erhalten. Auch sie dienen als wichtiger Lebens- und Nahrungsraum. Zusammen mit Altholzbeständen sowie offenen Sand- und Lehmböden ergibt sich so ein ideales Mosaik, welches als Lebensraum für viele Insektenarten ideal ist, aber auch eine tolle Naturerfahrung für den Menschen darstellt.

Die teilnehmenden Gemeinden bekamen individuelle Unterstützung bei Planung und Entwicklung der naturnahen Blühflächen anhand von Vorort-Beratungen und Gesprächen mit Experten.

Im Rahmen des begleitenden Monitorings in der Marktgemeinde Rankweil konnte Wildbienenexperte Timo Kopf 2014 und 2018 auf den Monitoringflächen insgesamt 136 Wildbienenarten finden. Die Ergebnisse des Monitorings zeigen deutlich, dass die Blühflächen von den Wildbienen und anderen Insekten angenommen werden und sich die Vielfalt der vorkommenden Wildbienenarten aufgrund der umgesetzten biodiversitätsfördernden Maßnahmen um ein Vielfaches gesteigert hat.

  

Homepage

http://buntundartenreich.at

  

Endbericht

buntundartenreich - Endbericht

  

  

Interreg BürgerBienenBiodiversität (2018 -2021)

Das Interreg-Projekt „Bürger – Bienen – Biodiversität“ soll den Blick für insektenfreundliche Lebensräume öffnen. Blütenbesuchende Insekten brauchen Nahrung, das heißt ein kontinuierliches Angebot an Blüten und vielfältige Nist- und Lebensräume. Im Rahmen des Projektes sollen die Möglichkeiten für biodiversitätsfreundliches Handeln aufgezeigt werden.

Insekten wie Wildbienen, Schmetterlinge und andere Bestäuber haben eine zentrale Funktion in unseren Ökosystemen. Die Lebensbedingungen dieser Insekten haben sich jedoch in den letzten Jahrzehnten stark verschlechtert. Auch in der Bodenseeregion wird die Landschaft immer struktur- und blütenärmer.

Unter dem Motto „Mach mit – Bringen wir das Land zum Blühen!“ fand im Juni 2019 der erste Vorarlberger „Tag der blühenden Landschaft“ statt. Über 700 Teilnehmende bestaunten an 27 Standorten besondere Vorarlberger Blühflächen und diskutierten was wir Alle für die Erhaltung der Biodiversität tun können.

Außerdem werden Vertiefungsschwerpunkte zu den Blühbotschafterkursen angeboten: Dabei erlenen interessierte Menschen praktische Orientierungs- und Umsetzungswerkzeuge zur Anlage, Pflege und Bewirtschaftung blühender, insektenfreundlicher Flächen.

Ein weiterer Schwerpunkt des Projektes liegt auf der Anlage biodiversitätsfreundlicher Gründächer. Infolge der positiven wirtschaftlichen Entwicklung, der vielfältigen Bautätigkeiten und Flächenversiegelung stellen Biodiversitätsdächer eine Möglichkeit dar manche der negativen Auswirkungen zu verhindern oder zumindest abzuschwächen

Als Ausgleich für den versiegelten Boden wird auf dem Dach ein neuer Lebensraum geschaffen. Gründächer schaffen wertvollen Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Besonders auf naturnahen Extensivdächern besiedeln Bienen, Vögel, Käfer oder Schmetterlinge die neuen Lebensräume und können im Verbund mit andere Naturräumen eine Beitrag zum Artenschutz leisten. Gründächer erhöhen aber auch die Lebensqualität der Menschen, sie schaffen Raum für Erholung und Begegnung für Bewohner oder Mitarbeiter auch mitten im dicht verbauten Siedlungsraum.

Gründächer halten je nach Bauweise 40 – 90 Prozent des Regenwassers zurück und geben vieles davon durch Verdunstung direkt an die Atmosphäre ab. Sie mildern Folgen von Starkregenereignissen ab und entlasten die Abwassersysteme.

Gründächer verbessern das lokale Klima – sie kühlen durch die Verdunstungsleistung der Vegetation die Luft ab und feuchten sie an. Die Pflanzen binden auch CO2, Staub und andere Schadstoffe aus der Luft. Das schafft ein angenehmes Klima in der Siedlung und im Gebäude und verhindert ein verstärktes Aufheizen unsere Städte im Zuge des Klimawandels

Von Oktober 2019 bis in den Herbst 2020 findet dazu der Kurs „Blühende Dächer in Vorarlberg“ statt.

Projektpartner sind die Bodensee-Stiftung, die Internationale Stiftung für Natur und Kultur in Radolfzell sowie der Bund Naturschutz Naturerlebniszentrum Allgäu.

Projektförderer: Interreg Alpenraum-Bodensee-Hochrhein

  

Homepage

http://bluehbotschafter.eu

http://buntundartenreich.at/gutzuwissen.htm

  

  

Naturvielfalt im Betrieb

In der EU werden bis zu 80 % der Flächen für Städte, Straßen, land- und forstwirtschaftliche Produktionsstätten und Industriegebiete genutzt, in denen Flora und Fauna in ihrer Vielfalt kaum Platz haben.

Im Rahmen des Moduls „natur vielfalt bauen! – Wissenspool Bodenseeregion“ des Interreg‑Projektes „Blühendes Bodenseeland“ sollten Erfolgsfaktoren und Hürden auf dem Weg zu einer biodiversitätsfördernden Architektur und Siedungsplanung aufgezeigt werden und eine Sensibilisierung von Architekt*innen, Landschaftsarchitekt*innen, Raum- und Stadtplaner*innen für das Thema zu sensibilisieren. Im Herbst 2017 fanden hierzu zwei grenzüberschreitende Workshops statt, bei denen Ideen zur Stärkung der Naturvielfalt in den Siedlungen gesammelt wurden.

Nachfolgend fand im Oktober 2018 ein zweitägiges internationales Symposium mit ca 150 Teilnehmenden zu den Themen biodiversitätsfreundliches urbanes Wachstum und Nachverdichtungen. Es wurde ein transdisziplinärer Wissens- und Erfahrungsaustausch für Expertinnen und Experten, sowie Anwenderinnen und Anwender aus den Bereichen Architektur, Landschaftsarchitektur, Städtebau, Raumplanung, Bauwirtschaft und Ökologie ermöglicht. Die Veranstaltung hatte das Ziel, neue Denkanstöße zu geben, zur Umsetzung guter Projekte zu animieren und Möglichkeiten aufzeigen, wie mit und für die Natur gebaut werden kann.

  

Homepage

www.naturvielfaltbauen.org

   

  

LIFE BooGI-BOP

Im EU LIFE Projekt BooGI-BOP haben sich sieben europäische Partner aus Österreich, Deutschland, der Slowakei und Spanien zusammengeschlossen, um die naturnahe Gestaltung von Firmengeländen in Europa zu fördern und somit zum Schutz der biologischen Vielfalt beizutragen. Die Abkürzung BooGI-BOP steht für "Boosting Green Infrastructure through Biodiversity-Oriented Design of Business Premises".

Naturnahe Firmengelände bieten Lebensräume für die heimische Flora und Fauna und dienen als Trittsteine im Sinne von grüner Infrastruktur. Durch Maßnahmen wie Entsiegelung oder Gebäudebegrünung werden außerdem positive Kleinklimaeffekte, wie Wasserretention bei Starkregenereignissen oder die Temperatursenkung in sommerlichen Hitzeperioden gefördert. Dabei soll die naturnahe Gestaltung gleichzeitig die Aufenthaltsqualität und das Wohlbefinden der Mitarbeiter*innen verbessern.

In Vorarlberg werden im Laufe des Projektes 20 Unternehmen zu biodiversitätsfördernden Maßnahmen beraten. Außerdem werden entsprechende Maßnahmen in zwei Pilotgebieten umgesetzt. Ein Praktiker-Workshop und eine Konferenz werden in Vorarlberg stattfinden. Als Türöffner für die Gespräche und Beratungen soll ein Diskussionspapier dienen, das in Zusammenarbeit mit allen Projektpartnern entwickelt wird.

  

Homepage

http://biodiversity-premises.eu

www.naturvielfaltbauen.org

  

   

Heimische Bäume und Sträucher - Acht von vielen Gründen für heimische Gehölze

Bäume und Sträucher bilden das Grundgerüst unserer Natur- und Kulturlandschaft sowie unserer Hausgärten. Unsere heimischen Gehölze erfüllen zahlreiche, wichtige Funktionen für Mensch, Tier und Umwelt:         

  • Sie bieten verschiedensten heimischen Tieren dringend benötigten Lebensraum und Nahrung. Viele Arten sind stark an bestimmte Pflanzenarten angepasst und von deren Vorkommen abhängig.
  • Durch Photosynthese wandeln Bäume und Sträucher Kohlendioxid zu Sauerstoff um und speichern Kohlenstoff im Holz. So leisten sie einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz.
  • Durch Verdunstung kühlen sie in Hitzeperioden den Siedlungsraum, verbessern so das kleinräumige Klima und tragen damit zu unserer Gesundheit bei.
  • Bäume und Sträucher sind durch ihre Blattmasse in der Lage, Schadstoffe aus der Luft zu filtern und so die Luftqualität zu verbessern.
  • Heimische Gehölze liefern essbare Früchte, Blüten und auch Blätter, die wertvolle Inhaltsstoffe in hoher Konzentration enthalten. Daraus lassen sich hervorragende Säfte, Tees, Marmeladen oder Naturheilmittel zubereiten.
  • Des Weiteren haben grüne Freiräume eine positive Wirkung auf die menschliche Psyche. So tragen Gehölze auch zum persönlichen Wohlbefinden bei.
  • Durch die verzögerte Abgabe von Niederschlägen tragen Bäume und Sträucher zum Hochwasserschutz bei. Auch Bodenerosionen nach Starkregenereignissen können durch geeignete Bepflanzungen deutlich verringert werden.
  • Heimische Gehölze im Garten machen Naturvielfalt direkt vor der Haustüre erlebbar. Die biologische Vielfalt ist nicht zuletzt für uns Menschen eine der wichtigsten Lebensgrundlagen.

  

Die gebundene Broschüre „Heimische Bäume und Sträucher“ kann bei der Abteilung Umwelt- und Klimaschutz per E-Mail oder Anruf bestellt werden.

  

Broschüren

Heimische Bäume und Sträucher (PDF, 5053 KB)

  

Weitere Broschüren:

Blühfläche statt Grauzone (PDF, 5215 KB)

Kontaktdaten

Postanschrift: Landhaus, 6901 Bregenz
Standortanschrift: Jahnstraße 13-15, 6900 Bregenz
T +43 5574 511 24505
F +43 5574 511 924595
umwelt@vorarlberg.at

Kundenverkehr: Montag bis Freitag von 08.00 -12.00 Uhr und 14.00 - 17.00 Uhr oder nach telefonischer Vereinbarung

Weitere Kontaktinformationen

Kontaktperson: Mag.a Christiane Machold