Archivale des Monats April 2024
Antrag der Finanzbezirksdirektion für Vorarlberg und Liechtenstein, 24. April 1919
Vorarlberg im Nikotinrausch
Tabak wird seit jeher zur Produktion von Raucherwaren angepflanzt. Auch in Vorarlberg war und ist der Konsum von Tabakwaren sehr beliebt. Dass manche sogar trotz der angeschlagenen Wirtschaft nach dem Ersten Weltkrieg nicht auf ihre geliebte Zigarre der Marke Brissago und Co. verzichten wollten, zeigt ein Vorfall beim Nebenzollamt Mäder.
Ende April 1919 wandte sich die Finanzbezirksdirektion für Vorarlberg und Liechtenstein mit einem dringenden Antrag an das Staatsamt für Finanzen in Wien: Am 22. April 1919 soll eine Gruppe von 50 Personen das Nebenzollamt in Mäder gestürmt haben, um sich dort die beschlagnahmten Tabakwaren unter den Nagel zu reißen. Die von einigen rabiaten Burschen angeführte Schar sei nur von der entschlossenen und umsichtigen Handlungsweise des Zollbeamten daran gehindert worden, sich der Waren zu bemächtigen. Die Öffnung der Schweizer Grenze und das bestehende Einfuhrverbot für Tabakwaren hatte die leidenschaftlich darnach verlangende Bevölkerung dazu gebracht, einen regen Tabakschmuggel zu betreiben. Das soll einerseits zur Gefährdung der Zollbeamten und deren Familien geführt haben und andererseits die Vorarlberger vermehrt zum Eigenanbau von Tabak verleitet haben. Darum bat die Direktion das Staatsamt, den Grenzbewohnern in Vorarlberg die Einfuhr von Tabakwaren quantitativ und zeitlich eingeschränkt zu erlauben.
Es ist nicht bekannt, ob das Staatsamt jemals geantwortet hat. Dokumentiert ist jedoch, dass sich die Direktion am 26. April 1919 auch an den Landeshauptmann Dr. Otto Ender wandte, um ihn über den Antrag beim Staatsamt zu informieren. Eine Antwort bekam sie schließlich vom Amt des Vorarlberger Landesrates, der den Antrag befürwortete.
| Madita Peter
Quelle: VLA, Amt des Vorarlberger Landesrates SZ 7160/1918.
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