Landtag würdigte Verdienste des Landtagspräsidenten a.D. Bertram Jäger
LTP Sonderegger gedachte eines engagierten Sozialpolitikers, überzeugten Demokraten und Wegbereiters der regionalen Zusammenarbeit
Bregenz (MA-LTP) – Der Vorarlberger Landtag hat am Dienstag (22.9.) im Rahmen einer Trauersitzung an den ehemaligen Landtagspräsidenten Bertram Jäger (1929–2026) erinnert. Jäger, der Anfang Juli im Alter von 96 Jahren verstorben war, prägte über viele Jahre die politische Entwicklung Vorarlbergs. Landtagspräsident Harald Sonderegger würdigte in seiner Ansprache Jägers langjähriges politisches Wirken und erinnerte an die wichtigsten Stationen seiner politischen Laufbahn.
Bertram Jäger gehörte dem Vorarlberger Landtag von 1964 bis 1994 an. Als langjähriger Präsident der Kammer für Arbeiter und Angestellte für Vorarlberg und ÖAAB-Obmann des Landes setzte er sich mit großem Engagement und Fachwissen für die Anliegen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ein. Zu seinen politischen Schwerpunkten gehörten unter anderem die Integration der Gastarbeiter sowie die Anpassung der Arbeitswelt an die Bedürfnisse der Menschen und insbesondere der arbeitenden Frauen. Von 1987 bis 1994 stand Jäger als Landtagspräsident an der Spitze des Vorarlberger Landtags. In diese Zeit fielen unter anderem das Grundverkehrsgesetz, das Vergabegesetz und das Landes-Pflegegeldgesetz.
Ein prägender Vertreter der Vorarlberger Landespolitik
„Bertram Jäger war ein Volksvertreter im besten Sinne des Wortes“, erinnerte Sonderegger an die Worte seines damaligen Vizepräsidenten Franz Bernhard. Jäger hat Verantwortung nicht nur übernommen, sondern auch mit Überzeugung getragen. Gemeinsinn, Mitmenschlichkeit und der Dienst an anderen standen für ihn stets im Mittelpunkt. Aus seiner christlichen Wertehaltung und seinem tiefen sozialen Empfinden heraus verstand er Politik immer als Einsatz für die Menschen. Als Landtagspräsident war es ihm ein besonderes Anliegen, das Parlament als eigenständige Säule der Demokratie zu stärken und den Menschen näherzubringen. Er suchte den persönlichen Austausch mit den Bürgerinnen und Bürgern und setzte auf Offenheit, Verständlichkeit und Nahbarkeit. Bei seinem Abschied aus dem Amt brachte er diese Haltung mit den Worten zum Ausdruck: „Es ist mir gelungen, den Landtag zu öffnen.“
Auch eine respektvolle politische Debattenkultur war ihm wichtig. Unterschiedliche Standpunkte sollten mit Verantwortungsbewusstsein, Fairness und gegenseitiger Achtung ausgetragen werden. Diese Grundhaltung zur Sachlichkeit prägte seine gesamte Amtsführung. Franz Bernhard beschrieb seine Vorsitzführung anlässlich seines Ausscheidens wohl sehr treffend: „Er hat auch in schwierigen Situationen und bei heftigen Konfrontationen durch seine Besonnenheit, durch seine Geduld und Korrektheit und recht oft auch durch humorvolle Bemerkungen die Situation bereinigt, die Emotionen gedämpft und die Wogen geglättet.“'
Engagement für Europa und die Regionen
Jäger setzte sich auch schon früh für die Bedeutung der Länder und Regionen im europäischen Integrationsprozess ein. Im Hinblick auf den EU-Beitritt Österreichs war es ihm ein Anliegen, die Bedeutung der Landtage auch in einem geeinten Europa zu sichern. Besonders wichtig war ihm die grenzüberschreitende Zusammenarbeit. 1991 gründete er gemeinsam mit den Präsidentinnen und Präsidenten der Landtage von Südtirol, Tirol und Trentino den Vierer-Landtag. 1994 folgte gemeinsam mit dem Präsidenten des damaligen Baden-Württembergischen Landtags die Gründung der Internationalen Parlamentarischen Bodensee-Konferenz. Beide Zusammenschlüsse bestehen bis heute.
Soziales Engagement über die Politik hinaus
Auch nach seinem Ausscheiden aus der Politik blieb Jäger sozial engagiert. Er unterstützte unter anderem ein Schulprojekt in Äthiopien und setzte sich über viele Jahre für Special Olympics Österreich ein. Für dieses Engagement wurde er 2021 zum Ehrenmitglied von Special Olympics Österreich ernannt.
„Jäger hat stets den Menschen zugehört, sie in den Mittelpunkt seines Tuns gestellt, ihre Anliegen ernst genommen und ihnen versucht zu helfen. Bertrams Jäger hinterlässt eine Lücke. Vieles aber hat er uns hinterlassen und vieles wird bleiben“, so Sonderegger. Der Landtag wird sich an Bertram Jäger und sein Wirken erinnern und ihm ein ehrendes Andenken bewahren.
Bertram Jäger wurde 1929 in Bürs geboren, war verheiratet und Vater von vier Töchtern und zwei Söhnen. Er starb am 6. Juli 2026 in Bludenz.
Veröffentlichung: 22.9.2026
Themen: Landtag/Sonderegger/Todesfall/Jäger
Redaktion: Landtagsdirektion