Archivale des Monats Oktober 2026
Breve Papst Pius IV. seinen Neffen Jakob Hannibal I., 5. Mai 1561
Jakob Hannibal I. ‒ ein unartiger Papstnepot?
Als Giovanni Angelo de’ Medici 1559 zum Papst (Pius IV.) gewählt wurde, eröffneten sich für seinen Neffen Jakob Hannibal I. von Hohenems (1530 bis 1587) als nostro secundum carnem nepoti, als leiblicher Neffe des Papstes, neue Möglichkeiten. Ganz vorbehaltlos scheint Pius IV. ihm allerdings nicht vertraut zu haben. Hannibal hatte aufgrund seiner militärischen Vergangenheit und der Erziehung durch den anderen Onkel, den „rücksichtslosen, verwegenen Condottiere” Gian Giacomo de’ Medici (1495 bis 1555), eine mitunter grobe Art.
Als päpstlicher Gesandter am Hof Philipps II. (1527 bis 1598) scheint Hannibal auch den Umgang mit einem gewissen Intriganten (molti sinistri officij nel particulare del matrimonio) namens Avanzino gepflegt zu haben. In einem vorwurfsvollen Breve kritisierte Pius IV. seinem Neffen daher, che siate partecipe, et forse auttore de le colpe sue, also an dessen Verfehlungen beteiligt oder gar deren Urheber zu sein. Außerdem bezweifelte Pius IV., dass Hannibal seinen diplomatischen Aufträgen nachkam. Das war umso heikler, denn dem Papst lag viel daran, das ausgesprochen antispanische Pontifikat seines Vorgängers mittels amore et buona intelligentia, also Zuneigung und gutem Einvernehmen, zu überwinden.
Für Pius IV. war es deshalb denkbar ungünstig, wenn sein vermeintlich unzuverlässiger Neffe aus Hohenems die Übergabe exquisiter Geschenke, die in einer beiliegenden, umfangreichen Geschenkeliste angeführt sind, nicht bestätigen ließ. Darunter befanden sich gefällige Stücke wie ein in der Weihnachtsnacht geweihtes Schwert samt Hut (la spada con il cappello, che si benedice la notte di Natale) oder ein Bergkristallgefäße (una Taza di Christallo di montagna). Dass Hannibal derart verantwortungslos gewesen wäre, lässt sich indes nicht beweisen. Philipp II. befahl jedenfalls den aragonischen Abgeordneten schon Anfang Februar 1561, die bald eintreffenden Stücke sicher nach Toledo zu transportieren.
| Tobias Riedmann
Quelle: VLA, HoA 26,3b.
Literatur:
- Franz Häfele, Papst Pius IV. und seine Nepoten. In: Franz Häfele, Beiträge zur Geschichte Vorarlbergs (Schriftenreihe des Kulturkreises Hohenems 11). Hohenems 2004, S. 449–461.
- Ludwig Welti, Graf Jakob Hannibal I. von Hohenems: 1530–1587. Innsbruck 1954, S. 28, 40–45.
- Almudena Pérez de Tudela Gabaldón, El papel de los embajadores españoles en Roma como agentes artísticos de Felipe II: los hermanos Luis de Requesens y Juan de Zúñiga (1563–1579). In: Roma y España. Un crisol de la cultura europea en la Edad Moderna, hg. von Carlos José Hernando Sánchez, Bd. 1. Madrid 2007, S. 391–420, hier S. 392.
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