Archivale des Monats Juni 2026
Beschwerde der Katholischen Jugend, 15. November 1949
Obszöne Zeichnungen
Zeichnungen im öffentlichen Raum anzubringen, um Botschaften zu verbreiten, sich zu verewigen oder einfach zum Zeitvertreib, ist ein Phänomen, das sich weit in der Geschichte zurückverfolgen lässt, wie zum Beispiel die Funde unzähliger Graffiti in den Ruinen der antiken Stadt Pompeji beweisen. Auch im Vorarlberg des 20. Jahrhunderts hinterließ man anscheinend gerne seine Spuren.
In einem Schreiben vom 15. November 1949 wandte sich die Katholische Jugend an den Landesfremdenverkehrsverband für Vorarlberg: […] In letzter Zeit mehren sich in einer ganzen Reihe von Orten des Landes die Fälle, dass in öffentlichen Bedürfnisanstalten sehr freche und obszöne Zeichnungen und Schriften zu finden sind. Besonders auffallend sind nach dieser Richtung die Bahnhöfe und Anlagen in den Zügen. Ebenso ist festzustellen, dass französische Schriften unverhältnismäßig oft auftauchen. […]. Die Katholische Jugend sah unter anderem einen negativen Effekt auf den Tourismus, wenn Gäste diese verunstalteten Einrichtungen zu Gesicht bekämen, und forderte den Landesfremdenverkehrsverband auf, zu handeln. Dieser wurde tatsächlich aktiv, allerdings nur insofern, als er das Schreiben der Katholischen Jugend an das Amt der Vorarlberger Landesregierung weiterleitete. Das Weiterleiten dürfte für diesen Fall insgesamt eine beliebte Lösung gewesen sein, denn auch das Amt leitete das Schreiben weiter, und zwar an die Französische Verbindungsstelle. Diese sagte auch zu, dem Ganzen nachgehen zu wollen.
Was bei den Erhebungen der Französischen Verbindungsstelle herausgekommen ist, ist uns leider nicht bekannt. Mit Sicherheit können wir nur sagen, dass die Graffiti der Vorarlberger Bahnhofsklos nicht dieselbe historische Prominenz wie die Graffiti aus Pompeji erreicht haben.
| Clemens Andreasch
Quelle: VLA, Amt der Vorarlberger Landesregierung III, Prs-698/1949.
Weitere Quellen:
- VLA, Verbindungsstelle zur Französischen Kontrollabteilung, A-13.031.
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