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Archivale des Monats Jänner 2026

Konzept für ein verschlüsseltes Telegramm an Minister des Innern, Bregenz 1874

Verschlüsselter Telegrammverkehr des Regierungsvertreters im Landtag

Der exponierte k. k. Statthaltereirat und Leiter der k. k. Bezirkshauptmannschaft Bregenz vertrat von 1868 bis 1914 anstelle des k. k. Statthalters für Tirol und Vorarlberg die k. k. Regierung im Landtag. Wenn es während einer Landtagssession schnell gehen musste, verständigte sich der Regierungsvertreter mit Innsbruck oder Wien mittels Telegrammen. Das Vertrauen in die Amtsverschwiegenheit der k. k. Staats-Telegraphenverwaltung war offenbar begrenzt. Heikle Nachrichten wurden ganz oder teilweise chiffriert. Dazu dienten Ziffernkombinationen, die ein Wort, eine Silbe, einen Buchstaben oder eine Zahl bedeuten konnten. Das Konzept für ein Telegramm mit zwei Entwürfen zeigt, dass die Chiffrierung mit dem Statthaltereischlüssel nicht so einfach war. Zu Jahresbeginn 1874 telegrafierte Statthaltereirat Karl Ritter von Schwertling an Minister des Innern Josef Freiherr Lasser von Zollheim:

Exzellenz Minister des Inneren Wien.

Die [654] C [280] l [268] e [305] r [282] i [299] c [280] a [284] l [268] e [205] n [296] [– usw. –] beabsichtigen, die Wahl Verification bis über Samstag hinauszuziehen, um nicht in den Reichsrath wählen zu dürfen oder einen Gewaltstreich zu begehen, und die liberalen Städte Abgeordneten einfach ohne legalen Grund Paragraph 41 Landtag Wahlordnung [Ende des Konzepts] nicht zuzulaßen, um eine Städte Neuwahl oder Auflösung des Landtages zu provozieren. Bitte um Ermächtigung, den Landtag in diesem Falle schließen zu dürfen. Bericht folgt.

Es ging um die Wahlrechtsreform 1873. Der Reichsrat und der Kaiser hatten eine Reichsratswahlordnung verabschiedet. Die Abgeordneten sollten nicht mehr von den Landtagen entsandt, sondern direkt gewählt werden. Die katholisch-konservative Landtagsmehrheit sah darin einen Verfassungsbruch. Für sie hätte es dafür einer Änderung der Landesordnungen bedurft. Schwertling ersuchte den Minister um die Erlaubnis, den Landtag für aufgelöst zu erklären. Beide waren liberal gesinnt. Zuständig war der Kaiser. Überraschend teilte Schwertling am 5. Jänner 1874 im Auftrag des Ministers des Innern schriftlich mit, dass der Landtag über Allerhöchsten Auftrag geschlossen sei. Die Liberalen, die 1870 ihre Mehrheit erdrutschartig verloren hatten, jubilierten.

| Ulrich Nachbaur mit Anna Mödlagl

Quelle: VLA, Bezirkshauptmannschaft Bregenz I, Landtagsakten 1873/44: Telegrammkonzept mit Verschlüsselungsversuchen.

 

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