Archivale des Monats Dezember 2025
Anordnung der Unterabteilung Preisbestimmung und Preisüberwachung, 14.12.1946
Überwachte Christbäume
Die Feiertage rund um Weihnachten stellen seit jeher eine Zeit der Besinnung und Einkehr, aber auch der Feier und Freude im Kreis der Familie dar. Traditionell versammelt sich diese geradezu symbolisch um einen immergrünen Nadelbaum, welcher im Vorfeld der Weihnachtszeit oftmals aufwendig geschmückt und beleuchtet wird. An Heiligabend finden die Kinder schließlich Geschenke unter dem Christbaum. Spätestens seit dem 19. Jahrhundert ist der Weihnachts- oder Christbaum daher fester Bestandteil der Weihnachtszeit.
Der alljährliche Wiedereinzug eines Tannenbaums in die Stube gab den Menschen in Krisenzeiten Halt und Stabilität, so auch im so sogenannten „Hungerwinter“ 1946/47. Den Menschen war sicherlich noch die bekannte Regierungserklärung von Bundeskanzler Leopold Figl (1902 bis 1965) aus dem Vorjahr vom 21. Dezember 1945 (Auf den Christbäumen, wenn wir welche haben, wird ein schönes Päckchen voll Sorgen hängen.) in Erinnerung.
Ein Jahr später hatte sich die Lage nur geringfügig gebessert. Lebensmittel und auch Christbäume blieben Mangelware bzw. waren oftmals unerschwinglich für die Menschen auch in Vorarlberg. Vom allgegenwärtigen Mangel und den daher getroffenen Gegenmaßnahmen zeugt eine Anordnung der Unterabteilung Preisbestimmung und Preisüberwachung im Amt der Vorarlberger Landesregierung vom 14. Dezember 1946. Darin wurden Christbäume anhand ihrer Länge in drei Kategorien eingeteilt und mit Höchstpreisen von 6, 3 und 2,50 Schilling versehen. Die Menschen dürften im Angesicht der prekären Ernährungslage sehr genau zwischen den für die Feiertage notwendigen Lebensmitteln und einem Christbaum für das heimische Wohnzimmer abgewogen haben.
| Markus Schmidgall
Quelle: : VLA, Bezirkshauptmannschaft Bludenz II, IV-PÜ-610/1947.
Literatur:
- Leopold Figls echte Weihnachtsbotschaft. In: Wiener Zeitung (online) vom 21. Dezember 2005;
- Figls Radiorede 1945: Der „Poldl“ rührt uns noch heute. In: Die Presse (online) vom 23. Dezember 2009.
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