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Archivale des Monats April 2026

Fragment eines Liebesbriefes des Johann Christian Mark in Bartholomäberg, 1826

Romantik auf Papier

Im 19. Jahrhundert verlief das Liebeswerben meist deutlich vorsichtiger und indirekter als heute. Gesellschaftliche Regeln spielten eine große Rolle. Viele junge Menschen standen unter der Aufsicht ihrer Familie oder ihres Umfelds. Offene Liebesbekundungen waren daher oft nicht üblich, besonders wenn man sich noch nicht lange kannte. Stattdessen wurden Gefühle häufig in Briefen oder kleinen Notizen ausgedrückt. Diese enthielten Komplimente, persönliche Gedanken, Reime oder romantische Bilder aus der Natur, um Zuneigung zu zeigen. Besonders das Schreiben mit Papier und Feder verlieh den Botschaften einen persönlichen Charme.

Auch der vorliegende Text aus dem Jahre 1826 ist ein gutes Beispiel dafür. Der Schreiber Johann Christian Mark aus Bartholomäberg schreibt, dass ihm niemand so gut gefällt wie die angesprochene Person und nennt sie sogar sein Schäzel. Beim schnellen Durchlesen wird klar, dass es sich hierbei um einen Reim handelt.

Auch später suchten junge Menschen Wege, ihre Gefühle auszudrücken, oft auf einfache und etwas schüchterne Art. Ein bekanntes Beispiel aus der Schulzeit ist der kleine Zettel mit der Frage „Willst du mit mir gehen?“ und den Antwortmöglichkeiten „Ja“, „Nein“ oder „Vielleicht“. Heute passiert es häufig digital über Apps wie Tinder oder Bumble, bei denen man Profile anschaut und Nachrichten schreibt.

Im Vergleich dazu wirken die Liebesbriefe aus früherer Zeit oft viel persönlicher und romantischer. Sie wurden von Hand geschrieben, waren manchmal mehrere Seiten lang und zeigen, dass sich jemand bewusst Zeit genommen hat, über seine Gefühle nachzudenken und sie sorgfältig auszudrücken. Genau diese Mühe und persönliche Note machen solche Liebesbriefe bis heute zu etwas Besonderem.

| Sabrina Gerstenbrand

Quelle: VLA, Stadtarchiv Bludenz, Fasz. 386, Nr. 117.

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